Geologie

Über den geologischen Aufbau des Landkreises gibt ein Modell Auskunft. Es ist ein Nord-Süd-Schnitt durch das Kreisgebiet und reicht vom Forsthaus Schwiederschwende im Südharz über die Goldene Aue zum Kulpenberg auf dem Kyffhäuser.

Die Goldene Aue ist durch Auslaugung von Steinsalz des Zechsteins und Absenkung des Untergrundes entstanden (Gipskarst). Die Schmelzwasserabflüsse der Eiszeit haben Kiese und Schotter von einer Mächtigkeit zwischen 10 – 20 m, stellenweise bis 100 m aufgebaut. In der Zechsteinzeit ist auch der Kupferschiefer entstanden.

An Exponaten sind Gipse, Stinkschiefer, Anhydrite, Flussspat und Kupferschiefer mit Fossilien zu sehen.

Naturkunde

Die Goldene Aue war über Jahrhunderte eine naturnahe Auenlandschaft, reich an Gewässern, Wäldern und Wiesen. Heute ist sie eine weite, nahezu waldfreie, von der Helme durchflossene Niederung, die landwirtschaftlich intensiv genutzt wird. Von der ehemaligen Auenvegetation sind nur wenige kleinflächige Bereiche als Reliktstandorte vorhanden.

Besondere Bedeutung für die Vogelwelt hat das international bedeutsame Feuchtgebiet bei Kelbra, der See bei Hackpfüffel und die Feuchtwiesen zwischen Hackpfüffel und der Kreisgrenze. Nördlich von Sangerhausen beginnen die Höhenzüge des Südharzes. Die Rhodung des ursprünglichen Mischwaldes und die Gründung von Dörfern begann im Mittelalter.

Ein sehr interessantes Tier im Harz ist die Europäische Wildkatze, die heute noch bei Sangerhausen ein heimlicher, aber typischer Waldbewohner ist. Erst seit dem 18. Jahrhundert gibt es in dieser Gegend Nadelwald, der als Nutzholz angepflanzt wird. Im Spengler-Museum wird die heutige Tier- und Pflanzenwelt der Goldenen Aue und des Südharzes in lebensnahen Dioramen vorgestellt.

Eiszeit

Die Attraktion des Spengler-Museums ist das Skelett des Steppenelefanten von Edersleben. Es wurde von 1930 – 33 in der Kiesgrube Edersleben von Gustav Adolf Spengler ausgegraben. Diese Tierart heißt auch Altmammut und ist ein Vorläufer des Wollhaarigen Mammuts. Es ist ein weibliches Exemplar, für das ein Alter von 45 – 50 Jahren angenommen wird. Es lebte vor der Elsterkaltzeit vor ca. 500 000 Jahre.

Zahlreiche Funde liegen aus der Tongrube Voigtstedt vor, die von 1954 – 63 ausgegraben wurden. Es sind Reste einer warmzeitlichen Tierwelt, die vor der Elster-Vereisung existierte. Unter den Funden sind Reste von Nashörnern, Hirschen und Südelefanten. Im Mammutsaal werden viele andere Fossilien aus der Eiszeit gezeigt, die als Einzelfunde häufig in der Umgebung von Sangerhausen entdeckt werden. Außerdem gibt es Informationen über die Evolution des Mammuts und den Verlauf der Eiszeit im Thüringer Becken.

Ur- & Frühgeschichte

Seit über 100 Jahren werden in Sangerhausen und Umgebung Funde aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit gesammelt.

Zahlreich sind die Funde der Jungsteinzeit (ca. 5000 – 1800 V. Chr.), der Bronzezeit (ca. 1800 – 700 v. Chr.) und der Eisenzeit (700 v. Chr. bis 0). In der Jungsteinzeit kannte man bereits Ackerbau und Viehwirtschaft. Erstmalig ist auch Hausbau, Töpferei, Spinnen und Weben nachgewiesen. Werkstoffe waren Holz, Knochen und Stein. Von Bedeutung war der Totenkult. Beispiele dafür sind die Grabkammern auf dem Schanzenhügel bei Bennungen und das Doppelgrab von Mittelhausen.

Mit dem Werkstoff „Bronze“ entwickelte sich die Metallurgie. Beispiel für eine beginnende soziale Differenzierung in der frühen Bronzezeit ist das „Fürstengrab“ von Nienstedt. In diese Zeit gehören auch Funde aus der „Diebeshöhle“ bei Uftrungen. Hinweise auf Eisenverhüttung geben Funde von Eisenschmelzstellen bei Emseloh, Beyernaumburg und Einzingen. Grabbeigaben aus Eisen und Bronze sind vom Urnengräberfeld bei Brücken (50 v. Chr. bis 50 n. Chr.) und von dem Urnengräberfeld bei Bennungen (3. Jh.) ausgestellt. 1991 konnte in Sangerhausen, Kylische Straße, ein Kriegergrab (5./6. Jh.) ausgegraben werden.

Mittelalter

Die Umgebung von Sangerhausen ist reich an historischen Zeugnissen des Mittelalters. Umfangreiches Krongut ist für das 10. Jh. im Südharz nachweisbar. In Wallhausen, Allstedt und Tilleda waren Pfalzen, in Rottleberode, Berga, Breitungen und Lengefeld königliche Höfe. Die 5,6 ha große Anlage der Pfalz Tilleda wurde ausgegraben und als Freilichtmuseum ausgebaut. Steinerne Bauten waren für den König und sein Gefolge bestimmt. Sie waren durch Wälle und Gräben geschützt. In dem vorburgartigen Teil der Pfalz lebten die Handwerker in einfachen Grubenhäusern. Schutz bot eine steinerne Umfassungsmauer, in deren Bereich die Häuser der Wachmannschaft standen.

Die Ausgrabung des mittelalterlichen Dorfes Hohenrode bei Grillenberg gibt Einblick in die bäuerliche Lebens- und Wirtschaftsweise des Mittelalters. Steinerne Fundamente von Gebäuden des 12. – 14. Jh. haben sich bis heute erhalten und können im Wald besichtigt werden. In der Ausstellung des Spengler-Museums sind Modelle von Tilleda und Hohenrode sowie Originalfundstücke zu sehen.

Stadtgeschichte

Das Dorf „Sangarhusen“ wird Ende des 8. Jh. in einem Güterverzeichnis des Klosters Fulda erwähnt. Es lag im Bereich des heutigen Sangerhäuser Bonifatiusplatzes. Im 10. Jh. entstand südlich des Dorfes ein Fronhof. Um diesen siedelten sich Bauern und Handwerker an. Im 11. Jh. entstand im Schutze des Fronhofes eine Marktsiedlung. Beide Siedlungen wuchsen zur Stadt Sangerhausen zusammen. Die dörfliche Siedlung des 8. Jh. wird zum „Altendorf“. Im 13. Jh. erfolgte eine planmäßige Erweiterung der Stadt. Die wirtschaftlichen Grundlagen waren Handel, Handwerk und Ackerbau. Auch der Kupferbergbau spielte eine wichtige Rolle. Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) führte die Stadt wirtschaftlich in den Ruin.

Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelte sich auch Sangerhausen zur Industriestadt. Den zweiten Weltkrieg überstand die Stadt abgesehen vom Verlust des Bahnhofes und des Gaswerks fast ohne Gebäudeschäden. Einen großen Aufschwung erlebte Sangerhausen in der DDR (1949 – 1990) durch den Aufbau des Thomas-Münzer-Schachts. Der in großem Stil wieder aufgenommene Kupferbergbau brauchte viele Arbeitskräfte und die Einwohnerzahl von Sangerhausen verdreifachte sich. Rund um die Altstadt entstanden moderne Neubaugebiete.

Anziehungspunkt in der Ausstellung zu Stadtgeschichte ist das von G.A. Spengler angefertigte Modell der Stadt Sangerhausen. Es zeigt das alte Sangerhausen noch vollständig von einer hohen Stadtmauer geschützt. Museumsobjekte aus sieben Jahrhunderten, erläutert mit Bildern, Karten und Texten, veranschaulichen die Sangerhäuser Stadtgeschichte bis in die Gegenwart.

Einar-Schleef-Zentrum

Einar Schleef (1944 - 2001) ist in Sangerhausen geboren und beerdigt. Dazwischen liegt der Lebensweg eines Künstlers und Außenseiters, eines ewig Suchenden, der in der Kunst seine Heimat sah, aber um die Heimatlosigkeit der heutigen Kunst wusste und an ihr litt. Schleefs rastloses Schaffen ist gekennzeichnet durch die ständige Auseinandersetzung mit diesem Thema. Ob als Theatermacher, Maler, Autor oder Fotograf tätig, Sangerhausen und der Verlust von Heimat finden sich immer wieder als Leitmotive in seinem facettenreichen Werk.

Seit Oktober 2011 beherbergt das Einar-Schleef-Zentrum im Spengler-Museum eine neue Dauerausstellung. Der Besucher erhält einen vielseitigen Einblick in den Werdegang und das künstlerische Schaffen von Einar Schleef. Die Ausstellung zeigt in Kooperation mit dem Archiv der Akademie der Künste Berlin, Fotos aus Einar Schleefs "Zuhause", 1981 im Suhrkamp-Verlag erschienen und mit dem Kodak-Fotobuchpreis ausgezeichnet. Zu sehen sind außerdem - in Zusammenarbeit mit der Stiftung Moritzburg Halle - Gemäldereplikationen aus dem umfangreichen Bildernachlass des Künstlers. Schleefs Schaffen als Theatermacher und Autor wird multimedial durch ein interaktives Terminal sowie Hör- und Videostationen zugänglich gemacht. In seinem viel beachteten Monumentalroman "Gertrud" erschuf Schleef einen mit Details überwucherten Monolog seiner Mutter Gertrud über ihr Leben und ihre Familie in Sangerhausen. Dabei rekonstruierte er nicht nur den Ort und die Ereignisse, sondern auch die vom Dialekt gefärbte Sprache der Einwohner. Sangerhausen wird Literatur- Ort.